Julian Vornfeld
| Julian Vornfeld | |
|---|---|
| Persönliche Daten | |
| Geboren | 25. Mai 1995 |
| Geburtsort | Hamburg-Harburg |
| Aufgewachsen | Wilstorf |
| Späterer Lebensmittelpunkt | Heimfeld |
| Beruf | Softwareentwickler |
| Kreative Bereiche | Fotografie Videoproduktion |
| Aktiv in der Konzertfotografie | 2018–2025 |
| Erste reguläre Konzertfotografie | 6. Oktober 2018 Mute Tales im Stellwerk Hamburg |
| Letzter regulärer Einsatz | 27. Dezember 2025 Redestruction Abschiedskonzert – 2025-12-27 |
| Zentrale Projekte | Redestruction |
Julian Vornfeld (* 25. Mai 1995 in Hamburg-Harburg) ist ein deutscher Softwareentwickler, Fotograf, Videoproduzent, Grafikdesigner und Veranstalter aus Hamburg-Harburg.
Seit Ende der 2010er-Jahre dokumentiert und gestaltet er Teile der Hamburger und norddeutschen Rock- und Musikszene. Seine Arbeit entwickelte sich von Landschafts- und Architekturfotografie über Konzert- und Bandfotografie zunehmend hin zu Musikvideos, Liveproduktionen, Grafikdesign, Visualizern und der Konzeption eigener Veranstaltungen.
Besonders prägend waren die langjährige Zusammenarbeit mit Redestruction, der Einstieg in die Konzertfotografie über Mute Tales sowie später die Gründung und Organisation des Grumbrechtstraßen Open Air.
Ein wiederkehrender Bestandteil seiner Arbeit ist die Verbindung von kreativer Gestaltung und Dokumentation. Neben dem eigentlichen visuellen Ergebnis besitzen für Vornfeld häufig auch die dargestellten Orte, Personen, Gegenstände und Lebensphasen Bedeutung. Aus diesem Interesse entwickelte sich später das Julian Vornfeld Archiv, in dem nicht nur fertige Arbeiten, sondern auch deren Produktionsgeschichten, unveröffentlichte Projekte und persönliche Zusammenhänge dokumentiert werden.
Leben und Hintergrund
Kindheit und Herkunft
Julian Vornfeld wurde am 25. Mai 1995 in Hamburg-Harburg geboren und wuchs zunächst im Stadtteil Wilstorf auf. Später verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt nach Heimfeld.
Harburg und insbesondere Heimfeld entwickelten sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Bezugspunkt seiner fotografischen und filmischen Arbeit. Zahlreiche Fotos, Musikvideos und spätere Projekte entstanden bewusst an Orten, mit denen Vornfeld eine persönliche oder lokale Verbindung verbindet.
Neben bekannten beziehungsweise markanten Orten interessieren ihn besonders alltägliche und vergängliche Bestandteile des Stadtbildes, darunter:
- Kneipen,
- Kioske,
- ältere Gebäude,
- Industrieanlagen,
- Straßen,
- Parks und
- andere Orte des persönlichen Umfelds.
Diese lokale Orientierung gewann im Laufe seiner kreativen Entwicklung zunehmend auch dokumentarische Bedeutung.
Ausbildung und Beruf
Vornfeld erwarb 2011 den Realschulabschluss.
Von 2011 bis 2014 absolvierte er eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und arbeitet seit 2014 hauptberuflich als Softwareentwickler.
Eine formale Ausbildung in Fotografie, Film, Regie oder Grafikdesign absolvierte er nicht. Seine Kenntnisse in diesen Bereichen entstanden überwiegend autodidaktisch durch:
- praktische Projekte,
- eigene Experimente,
- Tutorials,
- Austausch mit anderen Beteiligten und
- die schrittweise Lösung konkreter technischer beziehungsweise gestalterischer Probleme.
Die berufliche Tätigkeit als Softwareentwickler und die kreative Arbeit blieben dabei weitgehend voneinander getrennt. Gleichzeitig finden sich Überschneidungen insbesondere bei:
- Webentwicklung,
- Benutzeroberflächen,
- technischer Planung,
- systematischer Archivierung und
- projektorientiertem Lernen.
Frühe Fotografie
Erste Kameras
Vornfeld kam bereits in der Kindheit mit Fotografie in Berührung. Sein Vater fotografierte unter anderem Landschaften und Natur und regte 2006 die Anschaffung einer ersten eigenen Digitalkamera an.
Zum elften Geburtstag erhielt Vornfeld eine kleine Digitalkamera, bei der es sich nach eigener Erinnerung vermutlich um eine HP Photosmart R717 handelte.
Zuvor hatte er teilweise bereits einfache analoge Kleinbildkameras verwendet.
Zu den frühen Motiven gehörten zunächst unterschiedlichste Alltagssituationen. Später konzentrierte sich Vornfeld stärker auf:
- Natur,
- Landschaft,
- Architektur,
- Makrofotografie und
- Langzeitbelichtungen.
2009 folgte eine Panasonic Lumix FS6. Die Kamera befindet sich weiterhin in seinem Besitz und wurde Jahre später erneut verwendet, um gezielt die Bildästhetik früher digitaler Kompaktkameras aufzugreifen.
Systemkameras und analoge Fotografie
In den frühen 2010er-Jahren wechselte Vornfeld zunächst auf Kameras des Samsung-NX-Systems, darunter die Samsung NX200 und später die Samsung NX30.
Parallel entwickelte sich ein Interesse an älteren Kameras. Bei einem Flohmarktbesuch mit seinem Vater kaufte er eine Kodak Retina I.
Die vollständig manuelle Bedienung älterer Kameras verstärkte seine Beschäftigung mit:
- Blende,
- Verschlusszeit,
- Belichtung,
- unterschiedlichen Filmtypen und
- historischen Kamerasystemen.
Aus einzelnen alten Kameras entwickelte sich im Laufe der Zeit eine größere Sammlung. Viele der Geräte wurden nicht ausschließlich gesammelt, sondern praktisch ausprobiert und weiterhin verwendet.
2017 kaufte Vornfeld eine Nikon D750. Diese wurde in den folgenden Jahren zur wichtigsten Kamera seiner Konzertfotografie und kam zugleich bei frühen Musikvideoproduktionen zum Einsatz.
Einstieg in die Konzertfotografie
Vornfeld hatte zunächst nicht geplant, Konzertfotograf zu werden.
Der Einstieg entstand 2018 über Nico Schulenburg, den Sänger der Band Mute Tales. Schulenburg kannte Vornfeld aus dem gemeinsamen Freundeskreis und fragte ihn, ob er ein Konzert der Band fotografieren wolle.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Vornfeld vor allem Landschaften, Architektur und Natur fotografiert und kaum Erfahrung mit Konzertfotografie.
Am 6. Oktober 2018 fotografierte er schließlich Mute Tales im Stellwerk Hamburg.
Die Aufnahmen wurden anschließend in Adobe Lightroom gesichtet und bearbeitet. Nach eigener Erinnerung bestärkte ihn insbesondere Schulenburgs Rückmeldung, er habe ein gutes Gespür für den richtigen Moment.
Aus dem zunächst einmaligen Experiment entwickelte sich eine regelmäßige fotografische Begleitung der Band.
Konzert- und Bandfotografie
Entwicklung ab 2018
Über Mute Tales entstand schrittweise ein Netzwerk zu weiteren Bands der Hamburger und norddeutschen Musikszene.
Die personellen und freundschaftlichen Überschneidungen zwischen verschiedenen Projekten führten dazu, dass Vornfeld unter anderem Bands wie:
- Mute Tales,
- Redestruction,
- Potrock,
- Vioxis,
- Acid Head und
- zahlreiche weitere Acts
fotografierte.
Die intensivste Phase der Konzertfotografie lag zwischen 2018 und 2025.
Neben Konzertaufnahmen entstanden zunehmend eigenständige Bandshootings. Bereits frühe Shootings wurden teilweise konzeptionell vorbereitet. So wurde für ein Mute-Tales-Shooting gezielt eine ehemalige Verladerampe ausgewählt, die aus bestimmten Perspektiven wie ein verlassener Bahnhof wirkte. Für das Shooting wurden zusätzlich Requisiten organisiert, darunter ein alter Koffer.
Vornfeld entwickelte dabei zunehmend eine Arbeitsweise, bei der nicht nur die Band, sondern auch:
- Location,
- vorhandenes oder gesetztes Licht,
- Perspektive,
- Kleidung,
- Requisiten und
- spätere Bearbeitung
als zusammenhängende Bildgestaltung verstanden wurden.
Arbeitsweise bei Konzerten
Bei Liveaufnahmen lag der Schwerpunkt vor allem auf:
- Licht,
- Emotionen,
- Bewegungen,
- Interaktion zwischen Musikern,
- Atmosphäre und
- nicht planbaren Momenten.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus jedoch zunehmend eine routinierte Arbeitsweise. Bestimmte Bühnen, Lichtbedingungen und Auftrittssituationen wiederholten sich, wodurch der experimentelle Charakter der frühen Konzertfotografie für Vornfeld allmählich abnahm.
2025 entschied er sich daher, die regelmäßige Konzertfotografie zu beenden.
Der letzte bewusst als regulärer Konzertfotografie-Einsatz geplante Termin war das:
am 27. Dezember 2025 im Stellwerk Hamburg.
Damit endete die regelmäßige Konzertfotografie am selben Ort, an dem sie am 6. Oktober 2018 mit Mute Tales begonnen hatte.
Die Entscheidung bedeutete keinen vollständigen Abschied von Konzertfotografie. Vornfeld schloss weiterhin Aufnahmen bei besonderen Bands, außergewöhnlichen Locations oder persönlichen Anlässen nicht aus.
Einstieg in die Videoproduktion
Erste Experimente
Die Beschäftigung mit Video begann ungefähr ab 2018 beziehungsweise 2019.
Ausgangspunkt war zunächst der Wunsch, die Videofunktion der Nikon D750 auszuprobieren. Bei Proben von Mute Tales entstanden Aufnahmen mit verschiedenen vorhandenen Kameras, darunter:
- Nikon D750,
- GoPro und
- einfache beziehungsweise ältere Videokameras.
Aus diesen Experimenten entwickelte sich die Idee, vollständige Musikvideos zu produzieren.
Die Postproduktion erfolgte überwiegend in Adobe Premiere Pro. Die notwendigen Kenntnisse eignete sich Vornfeld während konkreter Projekte an.
The Second Circle
Am 15. August 2019 wurde mit:
von Mute Tales Vornfelds erstes vollständiges Musikvideo veröffentlicht.
Das Video entstand weitgehend improvisiert im Umfeld des damaligen Mute-Tales-Proberaums.
Es gab unter anderem:
- kein ausgearbeitetes Storyboard,
- keine gezielte Lichtgestaltung,
- keine festgelegte Farbwelt und
- keine einheitliche visuelle Strategie.
Im Mittelpunkt standen spontane und bewusst absurde Situationen der Band.
Rückblickend bildet das Video den Ausgangspunkt seiner späteren Musikvideoarbeit.
Misery
Nur eine Woche später erschien:
Das Video verwendete erstmals ein deutlich stärker festgelegtes formales Konzept.
Es wurde:
- in Schwarzweiß,
- mit einer festen Kamera,
- in einem einzigen Raum und
- vollständig als One-Taker
aufgenommen.
Damit stellt Misery den ersten Versuch dar, die zuvor stark improvisierte Arbeitsweise durch bewusst gewählte formale Einschränkungen visuell stärker zu kontrollieren.
Entwicklung der Videoarbeit
Livevideos 2021
2021 begann Vornfeld verstärkt, reale Konzertauftritte als eigenständige Livevideos zu produzieren.
Das erste Projekt dieser Art war:
- Ocean of Doubt von Potrock.
Das Material entstand ursprünglich im Zusammenhang mit einer geplanten Dokumentation über Potrocks Teilnahme am Wacken Metal Battle.
Für die Aufzeichnung standen zunächst lediglich zwei Kameras zur Verfügung.
Nur wenige Wochen später wurde das Konzept bei:
deutlich erweitert.
Zum Einsatz kamen nun fünf Kameras mit unterschiedlichen Aufgaben, darunter:
- eine feste Totale,
- zwei Schlagzeugkameras und
- zwei bewegliche Kameras.
Das entwickelte Mehrkamera-Prinzip wurde anschließend beim Potrock-Livevideo:
erneut eingesetzt.
Diese Produktionen waren für Vornfeld insbesondere deshalb wichtig, weil aus einzelnen Experimenten zunehmend wiederverwendbare technische Produktionssysteme entstanden.
Image of Society
Mit:
von Potrock entstand 2021 erstmals der bewusste Versuch, ein Musikvideo mit einem deutlich stärker cinematischen Anspruch zu produzieren.
Gedreht wurde am 6. November 2021 auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik Düneberg in Geesthacht.
Vornfeld hatte das Gelände bereits im Juni 2020 erkundet und schon damals als möglichen Drehort vorgemerkt.
Die Aufnahmen entstanden mit einer damals neuen Fujifilm X-T30.
Das Material wurde noch nicht in einem Log-Profil aufgenommen. Dadurch waren die Möglichkeiten des später geplanten Color Gradings eingeschränkt.
In der Postproduktion entstand schließlich ein stark verfremdeter, von Kodak Aerochrome inspirierter Look.
Rückblickend entsprach das Ergebnis noch nicht vollständig Vornfelds damaliger Vorstellung eines cinematischen Musikvideos. Die dabei gewonnenen Erfahrungen mit:
- Aufnahmeprofilen,
- Color Grading,
- Farbkonzepten und
- technischer Vorbereitung
beeinflussten jedoch spätere Produktionen erheblich.
Invisible
Nur sieben Tage nach Image of Society entstand am 13. November 2021:
von Potrock.
Während bei Image of Society Farbgestaltung und Performance im Mittelpunkt standen, konzentrierte sich Invisible stärker auf:
- Kamerabewegung,
- Choreografie,
- Timing,
- räumliche Inszenierung und
- die Durchführung eines vollständigen One-Takers.
Vornfeld bewegte sich während der Aufnahme rückwärts vor Sänger Kevin Lessing über einen ungefähr 100 Meter langen Fußgängerweg.
Der Sänger musste während des Songs zu vorab geplanten Zeitpunkten unterschiedliche Personen und Situationen erreichen.
Das Video stellte damit eine wesentlich aufwendigere Weiterentwicklung des One-Take-Prinzips dar, das Vornfeld bereits 2019 bei Misery ausprobiert hatte.
Die Weberin
Ein weiterer wesentlicher Entwicklungsschritt war:
von Acid Head.
Das Video wurde am 23. April 2022 in einem vergleichsweise kleinen Proberaum aufgenommen.
Das Produktionsteam bestand im Wesentlichen nur aus den Mitgliedern von Acid Head und Julian Vornfeld.
Die Band kümmerte sich unter anderem um:
- Konzept,
- Kostümierung,
- Make-up,
- Requisiten sowie
- vorhandene Licht- und Nebeltechnik.
Vornfeld übernahm Kamera und später den Schnitt.
Aufgrund des begrenzten Raumes wurden die Musiker überwiegend einzeln aufgenommen. In Verbindung mit:
- schwarzem Hintergrund,
- Nebel,
- kontrollierter Beleuchtung,
- enger Kameraführung und
- gezielter Postproduktion
entstand eine visuelle Wirkung, die Vornfeld erstmals selbst als überzeugend cinematisch empfand.
Die Weberin wurde dadurch zu einem wichtigen Übergang von den früheren DIY-Produktionen zu einer stärker auf Licht, Bildkomposition und Atmosphäre ausgerichteten Arbeitsweise.
Zunehmend geplante Musikvideos
Flood of Fire
Mit:
von Vioxis entwickelte sich die Arbeit stärker in Richtung vorab geplanter Musikvideoproduktionen.
Im Vergleich zu früheren Arbeiten wurden Aspekte wie:
- Farbwelt,
- Location,
- Licht,
- Kamerabewegung,
- Inszenierung und
- spätere Postproduktion
bereits stärker vor dem eigentlichen Dreh gemeinsam gedacht.
Die Produktion gehört zu den Arbeiten, bei denen sich Vornfeld zunehmend von der reinen Kameraführung hin zur Konzeption eines visuellen Gesamteindrucks entwickelte.
Aubade to Sorrow
2023 entstand mit Hannes Bürger ein bislang unveröffentlichtes Musikvideo für dessen Soloprojekt Aubade to Sorrow.
Das Video wurde hauptsächlich im Wald gedreht und verzichtet weitgehend auf eine klassische Bandperformance.
Die Handlung beginnt in einer hellen Waldlandschaft. Eine unbekannte Figur bewegt sich durch die Natur und findet eine alte Öllampe.
Bei der verwendeten Lampe handelt es sich um einen realen, beinahe hundert Jahre alten Gegenstand, den Vornfeld in einem Schuppen auf dem Grundstück fand, auf dem später seine Eltern lebten.
Die Figur entzündet die Lampe und trägt sie durch den Wald zu einem dunklen Tunnel.
Nach der Durchquerung des Tunnels befindet sie sich plötzlich in einer nächtlichen Umgebung. Dort erscheint ein heller Lichtkegel.
Die Figur stellt die alte Lampe ab, geht in den Lichtkegel und verschwindet.
Das Video besitzt innerhalb von Vornfelds Entwicklung eine besondere Bedeutung, da die Handlung fast vollständig über:
- Natur,
- Licht,
- Bewegung,
- Atmosphäre und
- visuelle Symbolik
erzählt wird.
Vornfeld betrachtete die Produktion rückblickend als eines der qualitativ stärksten Videos, die er bis dahin gedreht hatte.
Trotz umfangreicher Arbeit wurde das Video zunächst nicht veröffentlicht.
Overdose
Das Musikvideo:
von Vioxis wurde 2023 gedreht und 2024 veröffentlicht.
Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Ebenen:
- einem Sänger in einer winterlichen, weitgehend menschenleeren Landschaft und
- einem zunehmend eskalierenden Kneipenabend in der Schnulze.
Die Kneipenszenen wurden bewusst nicht nur als fiktive Handlung angelegt.
Die Schnulze war über Jahre ein zentraler Treffpunkt des beteiligten Freundeskreises. Ziel war deshalb zugleich, einen typischen gemeinsamen Abend dieser Zeit filmisch festzuhalten.
Viele der Beteiligten sollten sich möglichst natürlich verhalten, miteinander sprechen, trinken, lachen und die Kamera weitgehend ignorieren.
Dadurch entwickelte sich Overdose gleichzeitig zu:
- einem Musikvideo,
- einer inszenierten Geschichte und
- einem persönlichen Zeitdokument.
Das Video dokumentiert unter anderem:
- das damalige Erscheinungsbild der Schnulze,
- den damaligen Wirt,
- die damalige Inneneinrichtung,
- eine tatsächlich bestehende Würfelregel,
- Mitglieder des Freundeskreises und
- einen Teil der gemeinsamen Lebensphase.
Für die zusätzliche Beleuchtung wurden unter anderem Tischlampen verwendet, die Vornfelds Vater aus ehemaligen Whiskyflaschen gebaut hatte.
Das Video gehört dadurch zu den deutlichsten Beispielen für die spätere Verbindung von fiktionaler Inszenierung und persönlicher Dokumentation.
St. Booze
Mit:
von Redestruction entstand 2024 eine der umfangreicheren narrativen Produktionen.
Das Video ist in drei Kapitel gegliedert und verbindet mehrere unterschiedliche visuelle Ansätze.
Dabei werden unter anderem frühere Produktionen wieder aufgegriffen.
Zu den Bezügen gehören:
Die Handlung von St. Booze ist als Prequel zu On My Way angelegt.
Dadurch entstand rückblickend eine zusammenhängende Musikvideowelt:
- St. Booze – Prequel
- On My Way – Mittelteil
- Wrong – geplante Fortsetzung
Wrong wurde begonnen, jedoch nicht vollständig realisiert.
Für Vornfeld stellt St. Booze eine Verbindung mehrerer zuvor entwickelter Arbeitsweisen dar:
- narrative Handlung,
- Performance,
- Humor,
- Greenscreen,
- Referenzen auf frühere eigene Arbeiten,
- reale Harburger Orte und
- bewusste visuelle Kontinuität.
Zusammenarbeit mit Redestruction
Beginn
Die Zusammenarbeit mit Redestruction entwickelte sich zunächst aus der Konzertfotografie.
Über Überschneidungen im Umfeld von Mute Tales lernte Vornfeld die Band kennen und begann, auch deren Konzerte zu fotografieren.
Während der COVID-19-Pandemie bemerkte er, dass der Social-Media-Auftritt der Band nur wenig gepflegt wurde.
Er fragte Robin de Winter, ob er dort eigene Fotos und Inhalte veröffentlichen könne.
Aus dieser zunächst begrenzten Tätigkeit entwickelte sich über mehrere Jahre eine umfassende kreative Zusammenarbeit.
Aufgabenbereiche
Vornfeld war für Redestruction in verschiedenen Bereichen tätig, darunter:
- Konzertfotografie,
- Bandshootings,
- Musikvideos,
- Livevideos,
- Social-Media-Inhalte,
- Grafikdesign,
- Albumgestaltung,
- Poster,
- T-Shirt-Designs,
- Visualizer,
- Teaser,
- Bühnenprojektionen und
- audiovisuelle Konzepte.
Viele dieser Aufgaben entstanden nicht aus fest vergebenen Rollen.
Vornfeld experimentierte häufig zunächst eigenständig mit neuen Techniken oder Ideen und schlug anschließend konkrete Anwendungen für die Band vor.
Die Zusammenarbeit entwickelte sich dadurch zu einem wesentlichen praktischen Lernfeld seiner kreativen Arbeit.
Musikvideos und visuelle Kontinuität
Bei mehreren Redestruction-Produktionen wurden frühere Videos, Gegenstände oder Gestaltungselemente später erneut aufgegriffen.
Dadurch entstanden zunehmend Verbindungen zwischen einzelnen Arbeiten.
Ein besonders deutliches Beispiel ist die Verbindung zwischen:
- St. Booze,
- On My Way und
- dem unvollendeten Wrong.
Auch außerhalb dieser direkten Handlung wurden frühere Videos später als Ausgangsmaterial für neue Arbeiten verwendet.
Abschiedskonzert
Das Abschiedskonzert von Redestruction fand am 27. Dezember 2025 im Stellwerk Hamburg statt.
Vornfeld war wesentlich an der visuellen Begleitung des Abends beteiligt.
Zum Konzert gehörten unter anderem:
- ein rund zehnminütiges Abschiedsvideo,
- Musikvideos,
- neu bearbeitete ältere Aufnahmen,
- Visualizer und
- weitere Videoeinspieler.
Das vorhandene audiovisuelle Material der Band wurde dabei bewusst als Rückblick auf ihre Geschichte eingesetzt.
Für einzelne Visualizer wurden ältere Produktionen stark verändert.
So wurde beispielsweise Material aus Everything Dies in Adobe After Effects bearbeitet. Personen und Teile der Bar wurden freigestellt, während die ursprüngliche Umgebung teilweise durch apokalyptische Motive wie:
- einen Vulkan,
- ein explodierendes Kraftwerk und
- Aufnahmen eines Atomwaffentests aus den 1960er-Jahren
ersetzt wurde.
Die Arbeit am Abschiedskonzert verband dadurch mehrere Jahre eigener Foto-, Video- und Designarbeit zu einer audiovisuellen Retrospektive.
Weitere Produktionen und Projekte
Wacken Metal Battle
Vornfeld begleitete sowohl Potrock als auch später Redestruction im Umfeld ihrer Teilnahmen am Wacken Metal Battle.
Bei Potrock entstand die Idee, den Weg der Band im Wettbewerb dokumentarisch zu begleiten.
Ein Teil des dafür aufgenommenen Materials wurde später für das Livevideo:
verwendet.
Potrock erreichten 2022 das norddeutsche Halbfinale.
Auch die Teilnahme von Redestruction am Wacken Metal Battle 2024 wurde filmisch begleitet. Redestruction erreichten ebenfalls das Halbfinale der Region Norddeutschland.
Die Projekte unterscheiden sich von klassischen Musikvideos dadurch, dass die endgültige Geschichte während der Produktion noch nicht bekannt war. Die Dokumentationen waren ursprünglich mit der Hoffnung verbunden, den Weg der jeweiligen Band bis zu weiteren Wettbewerbsstufen beziehungsweise möglicherweise zum Wacken Open Air begleiten zu können.
Legend of Wacken
Im September 2022 wirkten die Mitglieder von Redestruction gemeinsam mit Julian Vornfeld an Dreharbeiten zur Fernsehserie Legend of Wacken mit.
Für eine Rekonstruktion des Wacken Open Air 1992 stellten sie die damalige Besetzung von Blind Guardian dar.
Die Rollen waren:
- Robin de Winter – Hansi Kürsch
- Hannes Bürger – André Olbrich
- Salih Gehrke – Thomen Stauch
- Julian Vornfeld – Marcus Siepen
Gedreht wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. September 2022 in Lütjensee.
Die Gruppe performte mehrfach Teile von Traveler in Time.
Für Vornfeld lag die persönliche Bedeutung der Produktion nicht in einer besonderen musikalischen Verbindung zu Blind Guardian oder Power Metal. Entscheidend war vielmehr die ungewöhnliche gemeinsame Erfahrung mit den Freunden von Redestruction.
- Hauptartikel: Legend of Wacken – Blind-Guardian-Dreh
Livestreamproduktionen während der COVID-19-Pandemie
Während der COVID-19-Pandemie war Vornfeld außerdem als Kameramann an Livestreamproduktionen aus dem damaligen Drafthouse auf St. Pauli beteiligt.
Unter anderem arbeitete er beim Projekt Streampunk Theatre St Pauli mit.
Da reguläre Konzerte zu dieser Zeit weitgehend ausfielen, boten die Livestreamproduktionen gleichzeitig die Möglichkeit, weiter praktisch mit Livebild und Kameraführung zu arbeiten.
Ein beteiligter Tontechniker mit umfangreicher Liveerfahrung vermittelte Vornfeld dabei praktische Hinweise dazu, welche Einstellungen und Perspektiven sich bei Konzert- und Liveproduktionen besonders eignen.
Diese Erfahrungen beeinflussten seine spätere Livevideoarbeit.
Grafikdesign und visuelle Gestaltung
Aus der Arbeit mit Bands entwickelte sich neben Fotografie und Video zunehmend auch eine Beschäftigung mit Grafikdesign.
Zu den gestalteten Materialien gehörten unter anderem:
- Album- und Bookletgestaltung,
- Poster,
- Social-Media-Grafiken,
- T-Shirts,
- Festivalshirts,
- Festivalbändchen,
- Visualizer,
- Logos und
- weitere Druckprodukte.
Ein wichtiger Reiz bestand für Vornfeld darin, digitale Entwürfe später als reale physische Gegenstände zu sehen.
Häufig bilden eigene Fotografien den Ausgangspunkt einer Gestaltung und werden in Adobe Photoshop weiterverarbeitet oder stark verfremdet.
Anders als bei der Konzertfotografie betrachtet Vornfeld den Bereich Grafikdesign weiterhin als ein Feld mit großem Entwicklungspotenzial.
Grumbrechtstraßen Open Air
Entstehung
2025 gründete Vornfeld gemeinsam mit Jasmin das:
kurz GoA.
Die erste Ausgabe entstand ursprünglich aus einer gemeinsamen Feier zum 30. Geburtstag der beiden.
Aus der zunächst privaten Idee entwickelte sich zunehmend eine eigenständige Open-Air-Veranstaltung mit mehreren Bands.
Das erste GoA fand am 12. Juli 2025 auf dem Gelände des Tipsy Apes in Hamburg-Harburg statt.
Zum Programm gehörten unter anderem:
- Digital Moy,
- Defcon Supernaut,
- Swap the Giant,
- Redestruction und
- Mute Tales.
Redestruction traten als Headliner auf.
Mute Tales kamen nach mehreren Jahren ohne regulären Auftritt für einen kurzen Reunion-Auftritt zusammen.
Für Vornfeld schloss sich damit ein biografischer Kreis: Mute Tales hatten 2018 den Ausgangspunkt seiner Konzertfotografie gebildet und standen nun bei einer von ihm selbst mitorganisierten Veranstaltung erneut auf der Bühne.
Rolle von Julian Vornfeld
Innerhalb des GoA beschäftigt sich Vornfeld unter anderem mit:
- grundlegender Konzeption,
- musikalischer Planung,
- Kommunikation mit Bands,
- visueller Identität,
- Festivalgrafiken,
- Website,
- Shirts,
- Festivalbändchen,
- technischer Planung und
- der öffentlichen Darstellung der Veranstaltung.
Das Projekt unterscheidet sich von vielen früheren Arbeiten dadurch, dass Vornfeld nicht lediglich einen bereits vorhandenen Rahmen fotografisch oder filmisch begleitet.
Stattdessen kann er den Rahmen selbst mitentwickeln, in dem spätere kreative und musikalische Ereignisse stattfinden.
GoA 2026
Am 10. und 11. Juli 2026 fand die zweite Ausgabe des Grumbrechtstraßen Open Air statt.
Das Festival wurde dabei erstmals auf zwei Tage erweitert.
Zum Line-up gehörten:
Freitag:
Samstag:
Mit der zweiten Ausgabe entwickelte sich das ursprünglich aus einer Geburtstagsfeier hervorgegangene Projekt stärker zu einer eigenständigen wiederkehrenden Veranstaltung.
Arbeitsweise
Projektorientiertes Lernen
Ein wesentlicher Bestandteil von Vornfelds kreativer Entwicklung ist projektorientiertes Lernen.
Neue Fähigkeiten werden häufig nicht abstrakt erlernt, sondern entstehen aus einem konkreten Ziel.
Beispiele dafür sind:
- One-Take-Choreografie durch Misery und Invisible,
- Mehrkamera-Liveproduktion durch Ocean of Doubt, Lessons Unlearned und Lesser Man,
- Color Grading und Log-Workflows nach den Erfahrungen mit Image of Society,
- bewusste Lichtgestaltung bei späteren Musikvideos,
- After-Effects-Arbeit für Visualizer und
- Grafik- und Veranstaltungsdesign im Umfeld des GoA.
Typisch ist dabei ein Ablauf aus:
- Idee
- Experiment
- technischer beziehungsweise gestalterischer Lernprozess
- praktische Umsetzung
- spätere Wiederverwendung der gewonnenen Erfahrung
Zusammenarbeit
Vornfeld arbeitet bevorzugt mit Personen, die selbst ein deutliches Interesse am jeweiligen Projekt besitzen.
Freundschaft ist dabei keine zwingende Voraussetzung. Entscheidend ist vielmehr eine gemeinsame Motivation und eine grundsätzlich ähnliche Vorstellung vom Ziel.
Bei unterschiedlichen Vorstellungen versucht Vornfeld üblicherweise, gestalterische Kompromisse zu entwickeln.
Gleichzeitig ist ihm wichtig, bei eigenen Produktionen einen erkennbaren Einfluss auf das Gesamtergebnis zu behalten.
Ein ausschließlich ausführender Kamerapart ohne Beteiligung an Konzept oder späterer Gestaltung entspricht daher weniger seiner bevorzugten Arbeitsweise.
Planung und Improvisation
Bereits frühe Bandshootings wurden teilweise gezielt konzipiert.
Im Laufe der Zeit wurde die Planung jedoch umfangreicher.
Bei späteren Projekten wurden zunehmend vor dem Dreh festgelegt beziehungsweise diskutiert:
- Location,
- Farbwelt,
- Licht,
- Kamerabewegungen,
- Handlung,
- Requisiten,
- Kostüme,
- technische Umsetzung und
- Postproduktion.
Trotzdem bleibt Improvisation ein wichtiger Teil der Arbeit.
Viele Ideen entstehen erst während des Drehs oder beim späteren Experimentieren in Schnitt- und Effektsoftware.
Visuelle Interessen und Stil
Licht und Atmosphäre
Licht gehört für Vornfeld zu den wichtigsten Bestandteilen einer Aufnahme.
Dies gilt sowohl für Fotografie als auch für Video.
Bei Bandshootings und Musikvideos gewann die bewusste Lichtgestaltung im Laufe der Jahre zunehmend an Bedeutung.
Neben dem Licht spielen insbesondere:
- Atmosphäre,
- Perspektive,
- Bildkomposition,
- Bewegung,
- Farbgestaltung und
- die Darstellung der abgebildeten Personen
eine zentrale Rolle.
Analoge und historische Bildästhetik
Seit den frühen Erfahrungen mit älteren Kameras besitzt Vornfeld ein anhaltendes Interesse an analoger Fotografie und historischen Bildästhetiken.
Dabei geht es nicht ausschließlich darum, eine vermeintlich „alte“ Optik nachzuahmen.
Unterschiedliche Medien und Filmlooks werden vielmehr als eigenständige visuelle Werkzeuge betrachtet.
Zu den wiederkehrenden Einflüssen gehören unter anderem:
- Kleinbildfilm,
- Schwarzweißfilm,
- Kodak Double-X,
- Kodak-Aerochrome-inspirierte Farbgestaltung,
- VHS,
- frühe digitale Kompaktkameras und
- unterschiedliche Filmkorn- und Emulationsverfahren.
Die analoge Fotografie dient dabei zugleich als Gegenpol zur hohen Aufnahmezahl der digitalen Konzertfotografie.
Reale Orte
Drehorte werden häufig nicht ausschließlich aufgrund ihrer visuellen Wirkung ausgewählt.
Viele Locations besitzen zusätzlich:
- persönliche,
- historische,
- lokale oder
- dokumentarische
Bedeutung.
Beispiele sind:
- die Schnulze,
- frühere Proberäume,
- Industrieanlagen,
- Kioske in Heimfeld,
- der Drafthouse,
- Harburger Straßen und
- weitere Orte des persönlichen Umfelds.
Dadurch können einzelne Produktionen gleichzeitig als inszenierte Werke und als Dokumentation eines realen Zustands funktionieren.
Fotografie nach dem Ende der regelmäßigen Konzertfotografie
Nach dem Ende der regelmäßigen Konzertfotografie verlagerte sich Vornfelds private Fotografie wieder stärker auf analoge und bewusst langsamere Formen.
Auf Reisen oder im Alltag verwendet er häufig kleinere analoge Kameras oder ältere Digitalkameras.
Zu den verwendeten Kameras gehören unter anderem:
- Kodak Retina I,
- Canon AE-1 und
- verschiedene ältere Digitalkameras.
Die moderne digitale Ausrüstung wird stärker für gezielte Projekte eingesetzt.
Zu neueren persönlichen Arbeiten gehören unter anderem Schwarzweißaufnahmen auffälliger Haustüren in Heimfeld.
Bandshootings bleiben ebenfalls Teil der fotografischen Arbeit.
2026 entstand beispielsweise ein nächtliches Shooting mit Fiebertraum am alten Harburger Friedhof. Die Band wurde vor einem historischen Tor beziehungsweise Monument mit gezielt gesetztem Licht inszeniert. Die spätere Farbgestaltung orientierte sich unter anderem an einer stark verfremdeten, Aerochrome-inspirierten Ästhetik.
Konzeptideen und unverwirklichte Projekte
Nicht jede kreative Idee Vornfelds wurde realisiert.
Konzeptnotizen enthalten unter anderem Ideen für:
- ein Album, dessen einzelne Musikvideos gemeinsam einen zusammenhängenden Kurzfilm bilden,
- ein vollständig rückwärts erzähltes beziehungsweise gedrehtes Musikvideo,
- ein Video mit Kodak-Double-X-inspirierter Schwarzweißästhetik,
- eine Produktion, bei der eine VHS-Kamera selbst Bestandteil der Handlung wird und
- eine Kneipe, die durch Raum und Zeit reist.
Bei letzterem Konzept sollte eine Kneipenszene als konstantes Element bestehen bleiben, während sich die Außenwelt verändert.
Die Kneipe sollte unter anderem an unterschiedlichen Harburger Orten auftauchen.
Eine weiterentwickelte Idee sah vor, dass sie irgendwann im Drafthouse erscheint, während dort gleichzeitig die Band selbst auf der Bühne spielt.
Die Figuren innerhalb der Kneipe würden dadurch ihrer eigenen Vergangenheit zusehen.
Teile der grundlegenden Idee einer unverändert bleibenden Kneipenszene vor wechselnden beziehungsweise extremen Hintergründen wurden später in anderer Form bei den Visualizern des Redestruction-Abschiedskonzerts aufgegriffen.
Verhältnis von Gestaltung und Dokumentation
Im Laufe seiner Arbeit entwickelte sich ein wiederkehrender Zusammenhang zwischen künstlerischer Gestaltung und dokumentarischem Interesse.
Ein Musikvideo dient dabei nicht zwingend nur dazu, einen Song visuell zu begleiten.
Es kann gleichzeitig festhalten:
- wie ein Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt aussah,
- welche Personen damals zum Umfeld gehörten,
- welche Gegenstände verwendet wurden,
- wie sich eine Band präsentierte,
- welche technischen Möglichkeiten vorhanden waren und
- welche Lebensphase die Beteiligten miteinander teilten.
Dieser Gedanke zeigt sich besonders deutlich bei Produktionen wie Overdose, aber auch bei frühen Proberaumvideos von Mute Tales.
Selbst technisch einfache Produktionen können dadurch später einen dokumentarischen Wert erhalten, der zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch nicht vollständig absehbar war.
Archivarbeit
Entstehung des Archivs
Mit zunehmender Zahl an Fotos, Videos, Projektdateien und Erinnerungen entstand bei Vornfeld das Bedürfnis, nicht nur die Dateien selbst, sondern auch ihren Kontext langfristig zu erhalten.
Viele ältere Produktionen waren zwar noch vorhanden, ihre Entstehungsgeschichte ließ sich jedoch aus den Dateien allein nicht mehr nachvollziehen.
Dazu gehören Fragen wie:
- Warum wurde eine bestimmte Location verwendet?
- Wer war bei einem Dreh anwesend?
- Wer hatte welche Aufgabe?
- Welche ursprünglichen Ideen wurden verworfen?
- Welche technischen Probleme traten auf?
- Welche Aufnahmen wurden später erneut verwendet?
- Warum wurde ein Projekt nicht veröffentlicht?
- Welche persönliche Bedeutung erhielt ein Werk erst Jahre später?
Aus diesem Grund entstand das Julian Vornfeld Archiv.
Archivprinzip
Das Archiv versteht sich nicht als klassische neutrale Enzyklopädie.
Es verbindet:
- überprüfbare Daten,
- erhaltene Dateien,
- veröffentlichte Quellen,
- Produktionsinformationen und
- persönliche Erinnerungen.
Dabei sollen unterschiedliche Wissensstände möglichst klar voneinander getrennt werden.
Informationen können daher sinngemäß als:
- belegt / dokumentiert,
- eigene Erinnerung,
- wahrscheinlich / vermutlich oder
- nicht mehr rekonstruierbar
gekennzeichnet werden.
Unklarheiten sollen nicht nachträglich durch erfundene Gewissheiten geschlossen werden.
Datenerhalt
Vornfeld bewahrt einen großen Teil des ursprünglichen Foto- und Videomaterials auf.
Dazu gehören unter anderem:
- RAW-Dateien,
- unbearbeitete Videoaufnahmen,
- Projektdateien,
- Exporte,
- Grafiken,
- Dokumente und
- ältere Aufnahmen.
Auch bei der Fotografie werden nicht ausgewählte RAW-Dateien häufig nicht physisch gelöscht, sondern lediglich innerhalb des Lightroom-Katalogs aussortiert.
Fertige Arbeiten werden zusätzlich an mehreren Orten gesichert.
Das Archiv dient dadurch sowohl als:
- persönliche Gedächtnisstütze,
- Produktionsdokumentation,
- lokales beziehungsweise szenebezogenes Zeitdokument und
- mögliche Hinterlassenschaft für spätere Betrachter.
Kreativer Antrieb
Ein wiederkehrender Gedanke in Vornfelds Arbeit ist der Wunsch, Dinge zu schaffen und festzuhalten, bevor ihre ursprünglichen Zusammenhänge verschwinden.
Dieser Gedanke betrifft sowohl:
- Bands,
- Freundeskreise,
- Orte,
- Veranstaltungen,
- Lebensphasen als auch
- die eigene kreative Entwicklung.
Vornfeld misst kreativer Arbeit dabei weniger Bedeutung über kommerziellen Erfolg als über:
- persönliche Identifikation,
- gestalterische Freiheit,
- Weiterentwicklung,
- gemeinsame Erfahrungen und
- die Wirkung eines fertigen Werkes auf andere Menschen.
Eine vollständige Professionalisierung der kreativen Arbeit war daher bislang kein vorrangiges Ziel.
Die hauptberufliche Tätigkeit als Softwareentwickler ermöglicht es ihm, Foto-, Video- und Designprojekte weitgehend unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen auszuwählen.
Künstlerische Selbstverständnis
Vornfeld verwendet für seine kreative Tätigkeit keine einzelne feste Berufs- oder Künstlerbezeichnung.
Die verschiedenen Arbeitsbereiche überschneiden sich zunehmend.
Bei späteren Projekten liegt sein Interesse häufig weniger ausschließlich in der Bedienung einer Kamera als in der Gestaltung des gesamten visuellen Zusammenhangs.
Dazu gehören:
- Grundidee,
- Bildwelt,
- Location,
- Licht,
- Handlung,
- Kamera,
- Postproduktion,
- Grafik und
- Präsentation.
Seine Entwicklung lässt sich daher als zunehmende Verschiebung von der reinen Dokumentation hin zur visuellen Konzeption und Creative Direction beschreiben, ohne dass Vornfeld selbst diesen Begriff als feste Berufsbezeichnung verwendet.
Abgrenzung dieses Abschnitts
Dieser private Teil des Archivs besitzt einen anderen Quellencharakter als klassische Produktions- oder Veranstaltungsseiten.
Er dokumentiert vor allem:
- subjektive Erinnerungen,
- Tagebuchaufzeichnungen,
- persönliche Interpretationen und
- spätere Reflexionen.
Aussagen über andere Personen sind daher grundsätzlich als Wahrnehmung Vornfelds zu verstehen und nicht als objektive Bewertung dieser Personen.
Ausgewählte Arbeiten
Musikvideos
| Jahr | Produktion | Interpret | Bedeutung innerhalb der Entwicklung |
|---|---|---|---|
| 2019 | The Second Circle | Mute Tales | Erstes vollständiges Musikvideo; stark improvisierte DIY-Produktion |
| 2019 | Misery | Mute Tales | Erster One-Taker und erstes klar begrenztes visuelles Konzept |
| 2021 | Image of Society | Potrock | Erster bewusster Versuch eines stärker cinematischen Looks |
| 2021 | Invisible | Potrock | Choreografierter One-Taker mit bewegter Kamera |
| 2022 | Die Weberin | Acid Head | Erstmals für Vornfeld selbst überzeugender cinematischer Look |
| 2023 | Flood of Fire | Vioxis | Zunehmend umfassend vorab geplante visuelle Produktion |
| 2023 | Aubade to Sorrow | Aubade to Sorrow | Unveröffentlichtes narratives Waldvideo; stark atmosphärische Bildsprache |
| 2024 | Overdose | Vioxis | Verbindung aus Fiktion, persönlicher Erinnerung und Ortsdokumentation |
| 2024 | St. Booze | Redestruction | Dreiteilige Narration mit Rückbezügen auf frühere Videos |
| 2024 | S.T.F.U. | Redestruction | Live-Compilation aus Material mehrerer Konzerte |
| 2025 | Wrong | Redestruction | Begonnenes, nicht abgeschlossenes Agentenfilm-Sequel |
Livevideos
| Jahr | Produktion | Band | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 2021 | Ocean of Doubt | Potrock | Erstes eigenständiges Livevideo dieser Art; zwei Kameras |
| 2021 | Lessons Unlearned | Redestruction | Erweiterung auf ein strukturiertes Fünf-Kamera-Setup |
| 2021 | Lesser Man | Potrock | Wiederverwendung und Weiterentwicklung des Mehrkamera-Konzepts |
Weitere ausgewählte Projekte
| Jahr | Projekt | Bereich | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 2022 | Legend of Wacken – Blind-Guardian-Dreh | Fernsehproduktion | Darstellung von Marcus Siepen bei der Rekonstruktion des Wacken Open Air 1992 |
| 2025 | Grumbrechtstraßen Open Air 2025 | Festival | Erste Ausgabe des gemeinsam gegründeten GoA |
| 2025 | Redestruction Abschiedskonzert – 2025-12-27 | Konzert / audiovisuelle Produktion | Retrospektive Visualizer und Ende der regelmäßigen Konzertfotografie |
| 2026 | Grumbrechtstraßen Open Air 2026 | Festival | Erweiterung des GoA auf zwei Veranstaltungstage |
| 2026 | Fiebertraum | Bandfotografie | Nachtshooting mit gezielter Lichtinszenierung und stilisierter Farbgestaltung |
Musikvideos im Archiv
| Produktion | Band | Song | Veröffentlichung | Status |
|---|---|---|---|---|
| The Second Circle (Musikvideo) | Mute Tales | The Second Circle | 15 August 2019 | Released |
| Misery (Musikvideo) | Mute Tales | Misery | 22 August 2019 | Released |
| Ocean of Doubt (Livevideo) | Potrock | Ocean of Doubt | 15 September 2021 | Released |
| Lessons Unlearned (Livevideo) | Redestruction | Lessons Unlearned | 21 October 2021 | Released |
| Image of Society (Musikvideo) | Potrock | Image of Society | 29 July 2022 | Released |
| Die Weberin (Musikvideo) | Acid Head | Die Weberin | 12 August 2022 | Released |
| Invisible (Musikvideo) | Potrock | Invisible | 28 October 2022 | Released |
| Lesser Man (Livevideo) | Potrock | Lesser Man | 10 February 2023 | Released |
| Flood of Fire (Musikvideo) | Vioxis | Flood of Fire | 4 May 2023 | Released |
| St. Booze (Musikvideo) | Redestruction | St. Booze | 1 February 2024 | Released |
| S.T.F.U. (Musikvideo) | Redestruction | S.T.F.U. | 29 March 2024 | Released |
| Overdose (Musikvideo) | Vioxis | Overdose | 10 May 2024 | Released |
Videos mit Kameraarbeit
| Video | Band | Typ | Veröffentlichung | Status |
|---|---|---|---|---|
| The Second Circle (Musikvideo) | Mute Tales | Music video | 15 August 2019 | Released |
| Misery (Musikvideo) | Mute Tales | Music video One-take | 22 August 2019 | Released |
| Ocean of Doubt (Livevideo) | Potrock | Live video with studio audio Music video | 15 September 2021 | Released |
| Lessons Unlearned (Livevideo) | Redestruction | Live performance Music video | 21 October 2021 | Released |
| Image of Society (Musikvideo) | Potrock | Music video Performance video | 29 July 2022 | Released |
| Die Weberin (Musikvideo) | Acid Head | Music video | 12 August 2022 | Released |
| Invisible (Musikvideo) | Potrock | Music video One-take performance video | 28 October 2022 | Released |
| Lesser Man (Livevideo) | Potrock | Live video with studio audio Music video | 10 February 2023 | Released |
| Flood of Fire (Musikvideo) | Vioxis | Music video Performance video | 4 May 2023 | Released |
| Overdose (Musikvideo) | Vioxis | Music video Narrative music video | 10 May 2024 | Released |
Videos mit Schnitt
| Video | Band | Typ | Veröffentlichung |
|---|---|---|---|
| The Second Circle (Musikvideo) | Mute Tales | Music video | 15 August 2019 |
| Misery (Musikvideo) | Mute Tales | Music video One-take | 22 August 2019 |
| Die Weberin (Musikvideo) | Acid Head | Music video | 12 August 2022 |
| Flood of Fire (Musikvideo) | Vioxis | Music video Performance video | 4 May 2023 |
| Overdose (Musikvideo) | Vioxis | Music video Narrative music video | 10 May 2024 |
Fotografierte Konzerte
Veranstaltungen
| Veranstaltung | Datum | Ort | Stadt |
|---|---|---|---|
| Grumbrechtstraßen Open Air 2026 | 10 July 2026 | Tipsy Apes | Hamburg |
| Grumbrechtstraßen Open Air 2025 | 12 July 2025 | Tipsy Apes | Hamburg |
Verbundene Bands und Projekte
Verbundene Orte
- Stellwerk Hamburg
- Drafthouse
- Schnulze
- Tipsy Apes
- Pulverfabrik Düneberg
- Heimfelder Kirche
- Goldgrube
- Astra-Eck
- Delal Kiosk
Siehe auch
- Julian Vornfeld Archiv
- Kategorie:Videos von Julian Vornfeld
- Kategorie:Musikvideos
- Kategorie:Fotografie
- Kategorie:Konzerte
- Kategorie:Orte
- Redestruction Abschiedskonzert – 2025-12-27
- Grumbrechtstraßen Open Air
Kategorie:Personen
Kategorie:Fotografen
Kategorie:Videoproduzenten
Kategorie:Grafikdesign
Kategorie:Veranstalter
Kategorie:Harburg
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